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Wenn in Appenzell die Weihnachtszeit beginnt, erwachen nebst den Lichtern in den Strassen auch jene Bräuche, die seit Jahrhunderten gepflegt werden: das Räuchlen zur Segnung von Häusern und Ställen, der kunstvoll geschmückte Chlausezüüg und das Omsingen, bei dem Rauchfässer und Laternen die dunklen Winterabende rund um den Jahreswechsel erhellen.
Mitten in diesem lebendigen Brauchtum stehen auch die «Bröötis» – jene kunstvoll geformten Gebildbrote, die hier seit Generationen zur Weihnachtszeit gehören und den Duft von milchhaltigem Zopfteig durchs Land tragen.
«Bröötis» – vier Formen, eine Tradition
Alle «Bröötis» entstehen aus einem milden Zopfteig, der sich besonders gut formen lässt. Je nach Form wird daraus ein Philering, ein Philebrot, eine Tafle Vögel oder eine Tafle Zöpf. Obwohl alle nach denselben Vorgaben entstehen, bringt jede Bäckerin und jeder Bäcker eine eigene Handschrift ein.
Zu den bekanntesten Formen gehört der Philering, ein aus vier Strängen geflochtener Zopf in Ringform. Etwas aufwendiger ist das Philebrot: Ein runder Aussenring trägt einen flach geflochtenen Viererzopf und sechs S-förmige Teigstücke. Der Begriff taucht bereits im 16. Jahrhundert in der St. Galler Chronik Sabbata auf; möglich ist auch eine Verbindung zum griechischen «philos» – Freund. Verspielt sind die Tafle Vögel – vier kleine Vögel aus einem Teigstrang, mit Wacholderbeeren als Augen. Nach dem gleichen Prinzip entstehen die Tafle Zöpf: vier kleine Zöpfchen, die gemeinsam backen und eine kompakte Tafel bilden.
Gebäck, das Generationen verbindet
Früher bildeten sich vor Weihnachten lange Schlangen: «Bröötis» wurden kiloweise bestellt, verschenkt und stolz auf den Festtischen präsentiert. Heute entdecken viele Menschen die Tradition neu – und staunen über die feinen Muster und die handwerkliche Arbeit, die in jedem Stück steckt.
Handwerk, das bleibt
Trotz moderner Abläufe entstehen die «Bröötis» bis heute Stück für Stück von Hand. Die BÖHLI AG pflegt diese Tradition in fünfter Generation und verbindet überliefertes Wissen mit zeitgemässem Handwerk. Jede «Bröötis» ist ein Unikat – und wer zur Weihnachtszeit einen Philering, ein Philebrot oder eine Tafle Vögel nach Hause trägt, nimmt nicht einfach ein Gebäck mit, sondern ein Stück Appenzeller Tradition.